20. Mai 2011

Immer noch amtlich: Das Cluetrain Manifesto

Jaja, sagt Ihr jetzt, "Märkte sind Gespräche", wissen wir ja schon lange. Mindestens seit 1999, seit dem Cluetrain Manifesto von David Weinberger, Rick Levine, Christopher Locke und Doc Searls. Nun gut, sage ich, aber nach meinen Erfahrungen fragen Unternehmen, die ich kenne, in der Regel auch heute noch als erstes danach, wie sie dieses Web für sich, ihre Marke, ihre Produkte und Umsatzziele nutzen können. Und nicht danach, was sie selber Gutes für das Web "tun" können, welche interessanten "Mehrwerte" sie den Menschen bieten können, damit diese gerne "Gespräche" mit den Unternehmen (und nicht über sie) führen, zu Fürsprechern werden, Produkte und Dienstleistungen weiter empfehlen. Also, mein Vorschlag: Die Thesen des Cluetrain Manifestos für die Unternehmenskultur in der Webgesellschaft als Prüfungsstoff für alle Produktmanager und Marketingabteilungen - und wenn alle ordentlich die Klausur bestanden haben, können wir's als erledigt abhaken, ok?



Cluetrain-Autor David Weinberger im "Elektrischen Reporter" (von 2007, Folge 19), über den Einfluss des Internet auf unser aller Leben und Denken. Sehenswert!

26. September 2010

Kooperieren oder verlieren...?

In den letzten Tagen bin ich etwas in Klausur gegangen und habe über die treibenden Kräfte der "Webgesellschaft" nachgedacht. Das entscheidende Schlagwort dazu heißt Kooperation (siehe dazu auch "Kooperation ist die Einstellung" von Susanne Robra-Bissantz).

Diesen Gedanken möchte ich auf verschiedene gesellschaftliche Bereiche übertragen, unter anderem, natürlich, auf die Wirtschaftswelt. Diese setzt sich aus einer Vielzahl von Verhandlungssystemen, bzw. Netzwerken zusammen, die einer hierarchischen Steuerung zuwiderlaufen, so der Befund der Netzwerkforschung. Pointiert gesagt: Die Illusion der Steuerbarkeit und Kontrolle aller Abläufe und Produktionsweisen wird abgelöst durch eine neue Form der kooperativen Beziehungswirtschaft. Innerhalb und außerhalb der Unternehmen. Mitarbeiter leisten dann ihr Bestes für ihr Unternehmen, wenn man ihnen Eigenständigkeit und Verantwortung überlässt, so die These.

In den Unternehmen ist diese Erkenntnis noch nicht überall angekommen, vorsichtig ausgedrückt. Beim weit verbreiteten "Management by Objectives", dem Führen nach klaren Zielvorgaben, mit klaren Kennzahlen für Wirtschaftlichkeit und Erfolg, in den 1960er Jahren von Peter Drucker entwickelt, steht für Unternehmen das Management an erster Stelle. In der Konsequenz konzentrieren sich dann die Mitarbeiter eher darauf, dem Vorgesetzen zu gefallen - als den Kunden oder Stakeholdern.

Aber wie lässt sich die "Evolution der Kooperation" (Robert Axelrod) in der Wirtschaftswelt vorantreiben, mit und ohne Web? Wann "lohnt" es sich wirklich, zu kooperieren und, umgekehrt gefragt, was "kostet" es eigentlich, nicht zu kooperieren? Wenn Ihr Interesse habt, Euch dieser Frage aus sozial- oder wirtschaftswissenschaftlicher Sicht anzunehmen, theoretisch oder bezogen auf ein Beispiel aus der Praxis; wenn Ihr also auf der Suche nach einem schönen Thema für Eure Abschlussarbeit seid (Bachelor, Master, Diplom), und unsere feinen Besprechungskekse probieren möchtet, dann meldet Euch einfach bei mir, sehr gerne!

20. Dezember 2009

Städte sind Gespräche

Im November war ich in Bremerhaven, bei der Herbsttagung der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland (bcsd) zu Gast („Virtuell, viral, wirkungsvoll - Neue Medien und Methoden im Stadtmarketing online und offline“) – und habe den einführenden Vortrag Städte sind Gespräche gehalten... Hier einige Impressionen davon.



Gerald Fricke: Städte sind Gespräche. Vortrag in Bremerhaven, 09.11.2009.

Zunächst habe ich nach den handlungs-, systemtheoretischen und konstruktivistischen Begründungen der Stadt als Kollektivakteur, als Sinnstifter und Lebensort gefragt. Das Bild einer Stadt formt sich durch unsere Gespräche, gleichzeitig dient „die Stadt“ als Projektionsfläche für viele Wünsche, Hoffnungen oder Ängste – und das hat sie mit „dem Internet“ durchaus gemein.

Der erste urkundlich erwähnte „Flashmob“ in Bremerhaven hat sich zum Beispiel 1958 ereignet, bei der Ankunft von GI Elvis Presley in Deutschland. Darüber sprechen wir noch heute. Weiter ging es in der Präsentation über Eintracht Braunschweig 1967 (die Meisterschaft!), den Retro-Futurismus (mit atomgetriebenen Autos auf achtspurigen Stadtautobahnen), die Slow City Überlingen, die Idee der autofreien Innenstadt, verwirklicht ausgerechnet und höchstdialektisch in der Wolfsburger Autostadt, über die Stadt als unschöne "Dauerwerbesendung" und das Werbeverbot in Sao Paulo bis zur Rückbesinnung auf den „idealen“ Markt im Mittelalter.

Und das Web 2.0? Prägt das Bild der Stadt, mehr als jedes Stadtmarketing, so die These. Gespräche stiften Gemeinschaft und konstituieren das Bild der Stadt - zum Beispiel als einen Ort, der den "Rückkanal" und neue demokratische Angebote für seine Bürger bereit hält, so mein normativer Ausblick. Benjamin Barber beschrieb schon früh die Vision einer idealen interaktiven Demokratie im globalen elektronischen Dorf. Die neuen Technologien sollten für den Übergang von der „schwachen“ zur „starken“ Demokratie, von der Vertretungs- zur Mitwirkungsdemokratie, genutzt werden; damit solle sich wieder dem klassischen Ideal direkter demokratischer Selbstregierung in überschaubaren Stadtstaaten angenähert werden, das im 20. Jahrhundert unmöglich geworden und dem Repräsentationsmodell gewichen ist.

21. August 2009

Gesellschaft 2.0?

Im Web 2.0 dürfen alle mitmachen. Aber induzieren die „herrschaftsfreien Diskurse“ im Web wirklich ein neues kommunikatives Handeln (Habermas) - und was folgt daraus? Was passiert mit den Universitäten, der Umweltpolitik oder der Unternehmenskommunikation, wenn auf einmal alle Kunden, Mitglieder oder Wähler mitentscheiden dürfen, unmittelbar, sogar „von unterwegs“ aus?

Was bedeutet das für die Gesellschaft, wenn sich blitzartig und situativ neue Gemeinschaften um Produkte, Marken oder politische Botschaften bilden? Welche Auswirkungen zeitigt die emanzipatorische, direkt-demokratische Kraft, die den Individuen mit dem Web 2.0 erwächst, für die festgefügte Ordnung der Unternehmenswelt, der Universiäten, der Umweltpolitik, der repräsentativen Demokratie?

Oder liegt die Wahrheit gar nicht bei den Spielern, sondern nur „aufm Platz“, dass heißt in der Logik der einzelnen gesellschaftlichen „Subsysteme“ (Luhmann) begründet? Kratzt es die Systeme, wenn sich die Menschen auf Facebook oder Twitter vergnügen? Oder ist allein das „Medium die Botschaft“ (McLuhan) - aber was hat uns dann Twitter wirklich zu sagen? Oder ist das ganze Web am Ende nur eine soziale Konstruktion, elitäres „Sozialkapital“ (Bourdieu)?

Das Web 2.0 ist gleichzeitig das Ergebnis und der Auslöser für einen umfassenden gesellschaftlichen Wandel. Diesem Wandel soll nachgespürt werden, mit unterschiedlichen theoretischen Ansätzen und empirischen Untersuchungen ausgewählter gesellschafticher Teilsysteme (Universitäten, Sportvereine, Unternehmen etc.). Los geht's!

6. August 2009

Corporate Communications 2.0



Lectures by Dr. Gerald Fricke at Summer School, TU Braunschweig, Institut für Wirtschaftsinformatik (wi2), July 2009.

14. Juli 2009

Corporate Communications

Hier das vorläufig endgültige Programm unserer Summer School:

Am 13.7. und 14.7.2009 wird Prof. Susanne Robra-Bissantz sprechen, jeweils ab 10:00, über Communication, Coordination and Cooperation. Dann gehen unsere internationalen Studenten zum Praktikummachen.

In der zweiten Woche geht es mit den Vorlesungen weiter. Vom 22.7. bis 24.7.2009 bringen wir das Web 2.0 ins Spiel - und fragen, wie sich die Corporate Communications durch den gesellschaftlichen und technologischen Wandel ändern. Jeweils ab 10:00 bis ca. 12:00 Uhr.

Das ist der Plan:

22.7.2009
- Corporate Communications (Introduction, Gerald Fricke)
- E-Readiness and Cultural Differences (Yvonne Gaedke)

23.7.2009
- Brand Management 2.0 (Gerald Fricke)
- Corporate Usage of “Private” Web 2.0 Tools (Markus Weinmann, Silke Siegel)

24.7.2009
- Viral Marketing (Thomas Plennert)
- PR, Social Media Marketing and Corporate Social Responsibility 2.0 (Gerald Fricke)

Die dritte Woche gehört dann unserem fantastischen Stargast Marwan Khammash, Lecturer in Marketing an der Bangor Business School in Wales. Vom 27.7. bis 31.7.2009. Es geht unter anderem um

- Internet Marketing
- Interactive Marketing
- Customer-to-Customer Interaction
- Electronic Word-of-Mouth

Alle Festvorträge finden in unserem Instituts-Seminarraum in der Mühlenpfordtstr. 23, 5. Stock, statt. Oder um es mit dem großen Philosophen Johnny Ramone zu sagen: Hey ho, let’s go…!

30. Juni 2009

"Kommunikation ist König"



Wie können Unternehmen das Web 2.0 nutzen - und was hat das mit Wirtschaftsinformatik zu tun? Vortrag Gerald Fricke beim TU Day, TU Braunschweig, 20-06.2009.

19. Juni 2009

27. Mai 2009

Kommunikation ist König

Am 15.6.2009 fahre ich nach Berlin, Berlin! Als Stargast und  Referent des "Internet-Kongresses iico". Hier meine Vortragsankündigung... 

Kommunikation ist König: Wie können Unternehmen das Web 2.0 für die interne Kooperation und Kommunikation nutzen?

Der Vortrag befasst sich mit folgenden Thesen:

  • Gute Kommunikation im Web 2.0 "rechnet" sich, Nicht‐Kommunikation "kostet": Gemeinschaftlich nutzbare Web‐2.0 Angebote wie Google Docs, Blogs, Wikis oder Twitter unterstützen die Unternehmenskommunikation und stärken damit eine offene, inspirierende Unternehmenskultur. Dadurch werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Mitmachen motiviert, Kosten gespart und die Projekt‐Ergebnisse signifikant verbessert.
  • Der Austausch von Wissen im Web 2.0 "lohnt" sich: Ein soziotechnisches Netzwerk das Personen, Begriffe, Dokumente und Internet‐Adressen assoziativ und semantisch verknüpft, trägt dazu bei, implizites Wissen der Mitarbeiter für alle Beteiligten nutzbar zu machen.

 

10. April 2009