14. Dezember 2008

Duzkriterien

Zwei bis dreieinhalb Leser haben mich gestern gefragt, nach welchen Kriterien hier geduzt und gesiezt wird. Hm, ich weiß ehrlich gesagt auch nicht genau, nach welchen Kriterien hier geduzt und gesiezt wird.

Ich weiß nur, dass sich zwei erwachsene, gegenseitig nicht bekannte Menschen, die sich irgendwo an der Käsetheke treffen, den mitteleuropäischen Konventionen folgend, üblicherweise siezen. Treffen sich diese beiden Menschen aber auf dem internationalen Elvis-Presley-Kongress in Las Vegas, und stellt sich überraschenderweise heraus, dass beide als Backenbartwissenschaftler über gewellte Kotelettenhaare forschen, so werden unsere beiden Bart- und Käseliebhaber sehr schnell zum kollegialen Du finden und einen Forschungsverbund gründen. Wir sprechen hier vom sog. Kollegen-Du. Daneben kennt die Wissenschaft natürlich noch das Sportler-Du, das Kneipen-Du und das Schützengraben-Du. Auch in Sandkästen oder an der Sylvester-Bowle wird sich häufig geduzt.

Was ich damit sagen will: Es kommt also immer darauf an… Auf die Situationen und Zusammenhänge - und die Wahl der rhetorischen Stilmittel. Wenn ich Dich, lieber Leser, also mal ganz im Vertrauen mitnehmen möchte, in den üppig blühenden Forschungsgarten des Instituts, wenn ich Dich ganz persönlich zum Klicken und Lesen einlade, dann, ja, dann mache ich das auch mal gerne duzig…

Hauptsache höflich, freundlich und respektvoll.

Oder, was sagen Sie?

21. November 2008

Unternehmenskommunikation 2.0



Vortrag Susanne Robra-Bissantz und Gerald Fricke, TU Braunschweig, 29.10.2008

20. November 2008

Die Geschichte vom Herrschaftswissen

Ich hörte die Fahrradbremsen bedrohlich quietschen. Ein alter Freund, mittlerweile Unterabteilungsleiter in einem sehr bedeutenden Unternehmen, wedelte hektisch mit seiner Pumpe: ”Du hier? Sag mal, warum muss ich eigentlich alle Sachen, die ich so mache, immer verschlagworten, oder wie es auf gut denglisch heißt: taggen?! Steht ja immer in Eurem komischen Blog.” Spöttisch verzog er seinen Mund.

“Nun”, sagte ich, “Du weißt ja: Wissen ist Macht, steht in Geheimtinte über Eurem Laden geschrieben. Deshalb wird das Wissen bei Euch in den Fluren, Schubladen, Kantinen und Rauchereckchen als Herrschaftswissen gehortet und gehütet. Irgendwann aber wird es komisch riechen und seinen gebunkerten Wert verlieren. Warte nur ein Weilchen!”

Eine Menge Schaulustiger hatte sich mittlerweile auf der Kreuzung eingefunden und verfolgte meine Rede. “Ist das überhaupt noch tragbar für Euer bedeutendes Unternehmen”, fragte ich in großer rhetorischer Geste. “Nein”, so antwortete ich, “wir brauchen ein Gegengift. Nieder mit dem Gemauschel der Kleingeister”, so skandierte ich, “freie Bahn der Genialität!”

“Was meint Du damit?”, beruhigte mich der Freund. “Intranet etwa? Das ist mir viel zu kompliziert. Außerdem finde ich grundsätzlich nie das, was ich suche, Amigo”. - “Richtig, mein Freund”, sagte ich und entwendete ihm die böse dampfende Luftpumpe. “Das ist Intranet 1.0, braucht kein Mensch. Warum findest Du kein vernünftiges kollektives Wissen im Intranet 2.0 Deines Saftladens?” - “Weil wir das nicht taggen, rabäbäh…” - “Richtig. Weil Ihr kein soziotechnisches Netzwerk geknüpft habt. Keine assoziative Verknüpfung aus Personen, Begriffen, Dokumenten und Internet-Adressen.” Ich lief zur Höchstform auf, brach die Luftpumpe entzwei und bellte in eine dargereichte Flüstertüte: “Was Ihr braucht: Ein semantisches Web! Herrschaftswissen ist 20. Jahrhundert, Alter! Vorbei, perdu!”

“Ja, aber wie geht das denn”, wimmerte der arme Mann, “und was ist mit meiner Pumpe?”. ”Ja gut”, beckenbauerte ich souverän zurück, “top-down funktioniert das nicht. Eine Frage Eurer Unternehmenskultur…” - “Puh…” - “Das muss man schon wollen. Bei IBM zum Beispiel gibt es Bluepedia, ein internes Online-Lexikon, das nach zwei Jahren mehr als 3000 Einträge von 800 Autoren, 386 000 Bookmarks und 40 000 Blogs verzeichnet. In den Public Files können Mitarbeiter selbst Dokumente hochladen, allen zur Verfügung stellen, für eigene Themen werben. Jeder darf alles wissen.”

Das saß. Einige aus der Menge applaudierten etwas zögerlich. Nachdenklich fuhr mein Freund weiter. Ich winkte ihm hinterher und bemerkte, dass sein Hinterrad eierte.

11. November 2008

Lehrstuhl-Gezwitscher

Neulich erreichte uns die freundliche Anfrage eines sympathischen Unternehmens, das wirklich erstklassige Produkte herstellt: Ob und wie man denn dieses neue Teufelszeug “Twitter” in die interne Unternehmenskommunikation einsetzen könne? Ob das nicht auch “sehr gefährlich” sei, wegen Datenschutz und so, und was das überhaupt bringe, “ganz konkret”? Und schließlich: Ob es dazu nicht auch schon “wissenschaftliche” Studien etc. gäbe?

Nun, antworteten wir, da seid Ihr bei uns genau an der richtigen Stelle. Wir kümmern uns um die Integration des “Mitmach-Webs” in die Unternehmenskommunikation - in Theorie und Praxis… Wir überlegen zum Beispiel, ob wir diese qualitativ neue Form des Austausches von Menschen mit einem “Strukturwandel der Öffentlichkeit” beschreiben oder mit der Theorie des kommunikativen Handelns (Jürgen Habermas) erklären können. Und wir schauen in die betriebwirtschaftliche Fachliteratur und fragen, wie sich die Investition in eine gelungene Kommunikation “rechnet” - und was, umgekehrt, eine schlechte, ineffiziente interne Kommunikation ein Unternehmen jeden Tag wirklich an Geld, Burn-Outs und Nerven “kostet”.

Reicht uns das? Nein. Um ein Gespür und gutes Gefühl für diese verrückten neuen Sachen zu bekommen besinnen wir uns auf das, was nach unserem Verständnis wahres wissenschaftliches Ethos ausmacht: Mit Neugierde und Offenheit der Erkenntnis - um nicht zu sagen: der Wahrheit - auf der Spur.

Das heißt: Wir probieren diese verrückten neuen Sachen einfach mal aus. Praktizieren das, was wir predigen. Und berichten über unsere Erfahrungen. Gestern also haben wir hier Twitter eingeführt, eine hübsche webzwonullige Plattform, die den Nutzer kurz und bündig fragt: Was machst Du gerade? Dafür hat man 140 Zeichen Platz zu antworten. Der Nutzer kann seine Freunde zum “Verfolgen” der Nachrichten einladen und selber die Nachrichten seiner Freunde - oder Kollegen! - verfolgen.

Wir vermuten: Das könnte durchaus etwas “bringen” in der internen Unternehmenskommunikation - sprich: in unserer internen Lehrstuhl-Kommunikation! Im Sinne einer “virtuellen Kaffeeküche”: Ich rufe einem Kollegen einen kleinen Geistesblitz zu, frage den nächsten nach dem Kick-Off-Termin morgen und den dritten nach dem aktuellen Kaffee-Durchlauf. Warum nicht gleich alle Kollegen - und Freunde! - daran teilhaben lassen? Warum jeden Geistesblitz dreimal auf dem Flur wiederholen?

Nun ist es nach einem Tag noch etwas früh, aber ich wage mich an ein erstes kurzes Zwischenfazit: Es macht tatsächlich Spaß! Schon mal nicht schlecht, oder? Und ich habe erfahren, dass es hier tatsächlich jemanden gibt, der eine alte Johnny-Cash-Cassette im Autokofferraum gefunden hat. Das habe ich vorher nicht gewusst, nach einem halben Jahr Lehrstuhlzugehörigkeit. Implizites Wissen über Johnny Cash ist explizit geworden. Nun weiß ich heute noch nicht genau, was ich mit diesem Wissen anfangen kann oder ob sich das, oh Gott, jemals “rechnen” wird. Eines aber weiß genau: Der Tag wird kommen, an dem ich dieses Wissen “brauche”. Genau dieses eine winzig kleine Informationsmolekül (”Johnny Cash im Kofferrraum”) wird den Unterschied ausmachen. Ich sags Euch…!

Nun möchte ich nicht die wissenschaftliche Theorie oder repräsentative, empirische Überprüfungen gegen das subjektive Erfahrungswissen ausspielen. Aber wenn wir den nächsten Termin bei unserem sympathischen Unternehmen mit den tollen Produkten haben, dann möchte ich sagen können: Ja, Twitter, sehr kompliziert, Habermas sagt das, Luhmann dieses und die Wirtschaftsinformatik überlegt noch. Aber wir haben es einfach mal ausprobiert - und, hey, es hat funktioniert!


Mehr zum Thema virtuelle Kaffeeküche und wie neue Medien die Welt der Unternehmen verändern hören Sie in der Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Susanne Robra-Bissantz. Am 26.11.2008, 17:00 Uhr, in der TU Aula.

13. Oktober 2008

Habermas und YouTube

Wissenschaftliches Seminar
Institut für Wirtschaftsinformatik, TU Braunschweig

Unterschiedliche Ansätze zur Kommunikation werden zusammengetragen, aus medienwissenschaftlicher, soziologischer, technischer, popkultureller und literarischer Sicht. Wie erklären diese Theorien Phänomene wie Twitter, YouTube, „Weisheit der Massen“, Gemeinschaftsbildung und sozialen Austausch im Netz?

Dazu erstellen wir kurze Filme oder Audiofiles (Podcasts). Zum Beispiel mit fiktiven Interviews verschiedener Geistesgrößen oder einer Zitat-Montage. Ohne großen technischen Aufwand, es geht „nur“ um die Idee.

Aufgaben:
  1. Jede(r) Seminar-Teilnehmer(in) stellt thesenartig einen Klassiker vor, zum Beispiel Habermas’ „Strukturwandel der Öffentlichkeit“, Luhmanns Ausführungen über Massenmedien, Brechts Radio-Essays, Auszüge von Watzlawik, Lem, Virilio oder Bourdieu.
  2. Eine Zusammenfassung der Thesen wird im Wiiki veröffentlicht – und kann dort von den anderen Seminarteilnehmern diskutiert werden.
  3. Im Wi2-Blog wagen wir einen Brückenschlag in die Praxis. Lassen sich unterschiedliche Web-2.0-Phänomene mit den „klassischen“ Theorien der Kommunikation (noch) erklären?
Beispiele für die Brückenschläge:
• Habermas und YouTube
• McLuhan und Twitter
• Bourdieu („Die feinen Unterschiede“) und Xing
• Rainald Goetz („Abfall für alle“) und Blogs
• Weizenbaum, Giddens, Bauman (...)

Kick-Off:
Mittwoch, 12.11.2008 im Multimedia-Schulungsraum, Campus Nord (BI 97.4), um 9:45 Uhr.

5. Juli 2008

TU-Day 2008

3. Juni 2008

Wii are blogging

Hier gehts übrigens zu unserem Blog des Instituts für Wirtschaftsinformatik, Abteilung Informationsmanagment (Wii). In der Themenwolke rechts stehen alle heißen Themen, Seminare und Projekte, von Adidas bis Web 2.0. Studenteninnen, Mitarbeiterinnen, Professorinnen und Projektpartner melden sich zu Wort. Mit richtig hoher Schlagzahl, im Schnitt zwei Einträgen pro Tag, aber hallo!

29. März 2008

Mein schönster Tag bei Adidas

Unser Innovationsseminar hat uns zum Anpfiff mit einem guten Dutzend Studenten und drei Sportlehrern nach Herzogenaurach geführt. In drei Arbeitsgruppen haben wir über eine interne Austauschplattform, ein gemeinschaftliches Bookmarking und Märkte für Ideen nachgedacht. Danach haben wir den Standort Deutschland gestärkt (mit Turnschuhen und Badehosen) und sind mit dem falschen Zug zurück über den "Brezeläquator" gefahren. Egal. Herzlichen Dank an Mike, Christian und Stephan von Adidas und alle Mitreisenden für einen wunderbaren Auftakt!

20. März 2008

Eine schöne Woche...

...war das! Am vierten Tag haben wir abends die "Seele" der ZU gerockt* und "wachgeküsst". Ich bin begeistert. Herzlichen Dank an alle Seminarteilnehmer!




(*)"Gerockt"? Mir wurde erklärt, dass sei keine gültige Metapher mehr. Ok, ok...

Die Abschlussklasse



16. März 2008

So sieht das aus

 
 
 
 
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Here comes the sun: der zweite Tag

Liebes Reisetagebuch, was ich noch erzählen wollte: In den ersten beiden Nächten im gemütlichen Familienhotel wohnte und lärmte eine Horde artikulationsherausgeforderter Schulausflügler mit Doofhintergrund. Beim Frühstück sah man einige "gute Gründe gegen Kinder" (Titanic) mit Brillen, falschrumauffen Kappen und allem, was man nicht versteht. Schwäbische Dorfjugend im Freiheitstaumel, so dachte ich. Dann erzählte mir ein freundlicher Herr vom Hotel, dass am Bodensee gerade eine große jugendkulturelle Veranstaltung gelaufen sei, dass echte Stars im Hotel gewesen seien und ob ich die wohl "erkannt" hätte. Und dass namentlich der "Skandalrapper" B. privat ein ganz, gaaanz höflicher Mensch sei, nur seine Entourage eben „gewöhnungsbedürftig“... Die Clowns sind zu Hause ja auch immer traurig, dachte ich.
So. Und dann kämpften wir im Seminar um unser Re-Briefing. Und dann kam die Sonne, wir machten Mittags- und Recherchepause und ich sah den Strand. Dann las ich im Live-Ticker, dass Eintracht Braunschweig gegen Essen im Schicksalsspiel der Dritten Liga in der 8o. Minute mit 0:1 hinten lag. Ich konnte es nicht ertragen, ging zum Kaffeeautomaten und rang mit der Technik. Als ich wieder kam, 84. Minute, stand es 2:1 für Eintracht. Ich machte eine theatralische Geste und schrie lautlos vor Glück.
Das war gestern. Heute mache ich mit „den Amerikanern“ einen Ausflug nach Lindau und zum Zeppelin-Museum. Das Wetter ist schlecht.

15. März 2008

Make Web 2.0 History: Der erste Tag....

Im Seminar haben wir gestern schon das Web 2.0 als erledigt hinter uns gelassen und bewegen uns mit Lichtgeschwindigkeit auf das Web 3.0 zu. Studenten heute!
Dann haben wir in zwei Blitzpräsentationen sogar ein neues Wort gefunden: BLIKI. Mussten dann aber ergoogeln, dass es dieses Wort irgendwo doch schon gibt. Grmpf.
Schauen wir, wie es weiter geht...

11. März 2008

Seminarplan für Zeppelin University

Zeppelin University, Spring School
Blockseminar „Corporate Blogs und Social Commerce: Konzepte fürs Web 2.0“


Leitfrage: Wie lassen sich Web-2.0-Ideen in die integrierte Kommunikation von Unternehmen, Kultur und Wissenschaft einbinden?
Ziel: Beispiele recherchieren, Konzepte erstellen, erste Umsetzungen
Instrumente: Projektdokumentation und Ideenmanagement im Mediawiki

Seminarplan

Freitag, 14.3.2008

- Vorstellung
- Einführung Mediawiki

Arbeitsgruppen:

1. Evaluations-Team: Corporate Blogs in der Unternehmenskommunikation (Erfolgskriterien)
2. Beratungs-Team: Einsatz von Blogs oder Projekt-Wikis in der internen Kommunikation
3. Agentur-Team: Web-2.0-Marketing (Konzeption, erste Schritte zur Umsetzung)

Samstag, 15.3.2008

- Web-Projekte vom Briefing bis zum Launch
- Materialrecherche auf dem Campus

Montag, 17.3.2008

- Kurz-Präsentationen Zwischenstand: Re-Briefing, Treatment
- Integrierte Unternehmenskommunikation
- Teamarbeit: Blogs „füllen“ (Fotos, Texte), Inhalte für Wiki erstellen

Dienstag, 18.3.2008

- Nachhaltige Kommunikation 2.0
- Thesen und Ausblick (Institut für Wirtschaftsinformatik, TU Braunschweig etc.)
- Vorbereitung Präsentationen, Konzepte, Projektpläne, Meilensteine

Mittwoch, 19.3.2008

Präsentationen
- Evaluations-Team
- Beratungs-Team
- Kreativ-Team

Abschlussbesprechung: Nächste Schritte zur Umsetzung

9. März 2008

Kick-Off Adidas-Blockseminar

Als Mitarbeiter am Institut für Wirtschaftsinformatik der TU Braunschweig (Lehrstuhl Prof. Dr. Susanne Robra-Bissantz) betreue ich das Innovationsseminar. Gemeinsam mit Adidas-Vertretern wollen wir in einem Blockseminar im April 2008 über neue, raffinierte Formen der internen Kommunikation nachdenken. Mehr dazu stelle ich nächste Woche auf die Webseiten des Instituts.

Hier der Ablauf für das Kick-Off am 27./28.3.2008 in Herzogenaurach, der Heimat der drei Streifen:

27.3.2008
- 11:00 Kick-Off bei Adidas
- 14:00 Rundgang
- ab 15:00 Workshop

28.3.2008
- Vormittags Workshop
- 13:00 Besichtigung
- Rückfahrt 15:33 ab Nürnberg

14. Februar 2008

Blogs in plain english


Via Commoncraft. Weitere schöne Erklärungen über Web-Zwei-Nulliges bietet auch die Reihe "Wie sag ich's meinen Eltern" der Blogpiloten. Alle "Eltern" können auch den freundlichen Horst Siebert von "Senioren lernen online" fragen. Die Kinder natürlich auch.